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7.-10. Juli 2005
3. Labyrinth Kongress im deutschen Sprachraum
Wetzlar (D)
Die Kunst zu wandeln oder
bewusst Sein entwickeln im Labyrinth
Ilse M. Seifried
f
oto: erwin reissmann
am 8.7. von 10.00 bis 13.00:
Ablauf
- Vorstellrunde und Befindlichkeit
- Körperwahnehmung im Sitzen (wo und wie habe ich Kontakt zum Boden/zur
Sitzfläche etc?) - vom Sitzen ins Stehen - vom Stehen zum ersten Schritt
- vom ersten zum zweiten Schritt und zum Gehen - im Raum ankommen - Menschen
begegnen - Rückkehr zum Sessel
- Wozu lädt das Labyrinth (am Blatt) ein? Folge deinem Impuls! Schreibe
ein Wort/ einen Satz zu deiner soeben gemachten Erfahrunge!
- Gehe mit dem Stift ins Labyrinth hinein - verweile im Zentrum - gehe hinaus!
Schreibe ein Wort/ einen Satz zu deiner soeben gemachten Erfahrunge!
Pause mit Bewegungsangebot (Musil: prem joshua: down the ganges)
- Vortrag
40 Minuten mit Overheadsfolien, die Labyrinth-Arbeiten
der Salzburger Künstlerin Marianne Ewaldt zeigen
Mit Magie kann alles und jedes zu tun haben und so hat auch das Labyrinth
magische Bezugspunkte, so, wenn es zum Beispiel in Indien an Türpfosten
angebracht wurde, um böse Geister, die nur geradlinige Wege nehmen können,
abzuhalten oder schwangere Frauen Safran labyrinthförmig auf ein Tablett
streuten, dann das Pulver - am besten in Ganges- Wasser schütteten und
dieses Gemisch tranken, um den Geburtsvorgang zu erleichtern.
Die Phase des magischen Denkens durchleben alle Menschen in ihrer Kindheit. Magie begleitet uns durchs Leben - egal ob wir sie wahrnehmen, uns dafür oder dagegen entscheiden, ob sie staatlicherseits anerkannt wird oder nicht. Sie ist ein Bestandteil des Lebens.
Das Wort Magie entwickelt sich im 16. Jh. aus dem lat. magia (griech mageia) Geheime Kunst, die sich übersinnliche Kräfte dienstbar zu machen sucht. Wie aber kann das Wort heute verstanden und neu interpretiert werden?
Rupert Sheldrake versucht in seinem 2003 erschienen Buch: Der siebte Sinn
des Menschen wissenschaftliche Nachweise zu bringen, dass Menschen aufgrund
ihrer Biologie mit mehr als den fünf Sinnen ausgestattet sind. Der sechste
Sinn ist seiner Meinung nach der elektro-magnetische Sinn (bei Tieren nachgewiesen).
Und wir Menschen erzeugen durch unsere geistige Aufmerksamkeit Wahrnehmungsfelder.
Denn der Geist reicht bis in die Welt um uns herum und verbindet uns mit allem.
Es gibt keinen Beweis, dass unser Geist nur unser Gehirn ist.
Gedanken und Gefühle setzen Energie frei. Mit magischem Denken und Handeln
kann einerseits Heilung geschehen - Schamanismus ist von der WHO als Heilmethode
anerkannt - mit Magie wird aber auch versucht, die Welt in den Griff zu bekommen
- durch Kontrolle, Sicherheit zu gewinnen. Das Leben unter Kontrolle haben,
ist ein gesellschaftlich positiv konnotierter Wunsch. Dafür werden der
Verstand, die Technik, die Wissenschaft benutzt - aber ist das nicht Magie,
nur mit einem neuen Mantel gut getarnt?
Macht und Kontrolle über das Leben, das ein Veränderungsprozess
ist, haben zu wollen, bedeutet das Lebendige an sich zu töten. Für
das Leben kann der Fluss als Metapher genommen werden: Bei Hochwasser kann es
zu Überschwemmungen kommen. Wenn ein unter Kontrolle gebrachter Flusslauf
aber aus seinem Flussbett bricht, dann bewirkt das mehr verwüstende Überschwemmungen
als jene frei fließender Gewässer. Das mussten Wissenschafter in
den vergangenen Jahren der großen Überschwemmungen zugeben. Kontrolle
und Machtausübung täuschen Sicherheit vor. Das Ego ist hier die treibende
Kraft.
Angst ist mit dem Ego aufs Engste verbunden. Das Ego kann Sicherheit nur vortäuschen,
nicht aber wirklich geben.
Nach Dr. Wolfgang Strobel:
Ich ist jene Kraft, die wir Menschen haben, um im Leben die eigene Persönlichkeit
zu verwirklichen und ermöglicht, geglückt in einem sozialen Gefüge
zu sein.
Über-Ich sind die verinnerlichten im Außen erlebten Autoritäten.
Es ist das unbewusste Wissen.
Selbst ist jener Bereich, der mit der universellen Schöpferkraft untrennbar
verbunden ist.
Das Ego ist jener Teil, der aus Angst bzw. Unsicherheit genötigt, den Platz
einnimmt, wo sonst das Ich dem Vertrauen in das Selbst Raum gibt - damit wird
auf der psychischen Ebene das Ich vom Selbst abgetrennt. Und das Selbst-vertrauen
wird so immer geringer, was das Erleben von Instabilität in der Welt mit
sich bringt. Aus dieser Unsicherheit bietet sich das Ego an, Sicherheit zu geben
- und die Katze beißt sich in den Schwanz bzw. Angst und Ego tanzen einen
Reigentanz.....
http://www.wolfgang-strobel.de
Begebe ich mich in das Labyrinth hinein, so wie Sie es auf dem Blatt Papier
getan haben, so versuche ich vielleicht, um Angstgefühle zu vermeiden,
mir mit den Augen einen Überblick zu verschaffen, damit absehbar ist, worauf
ich mich einlasse. Oder lasse ich mich auf gar nichts ein und gehe ich erst
gar nicht hinein? Oder lockt und führt mich meine Neugierde Strichstück
für Strichstück mutig in Unbekanntes?
"Es ist nicht das Unbekannte, vor dem wir Angst haben müssen,
es ist das Bekannte, das wir fürchten sollten. Das Bekannte, das sind die
rigiden Muster unserer vergangenen Konditionierung. Sie halten uns in den gleichen
rigiden Verhaltensmustern gefangen.
Wenn wir aber in jedem Augenblick unseres Lebens in das Unbekannte treten können,
dann sind wir frei. Und das Unbekannte, das ist das Feld unendlicher Möglichkeiten,
das Feld reinen Potentials, das, was wir wirklich sind."
Deepak Chopra
Auch eine Vorstellung, wie etwas zu sein hat, nimmt dem Lebensfluss die Lebendigkeit (und stärkt das Ego). Zu den Vorstellungen kommen noch unsere Glaubenssätze hinzu, die wir aufgrund unserer Erfahrungen internalisiert haben - wobei viele unbewusst wirken aber viele uns auch bewusst sind - ja, für die wir uns entschieden haben.
Die Glaubenssätze der Huna (UreinwohnerInnen Hawai's aus: Eva Ulmer-Janes: Magie im Management, Iberia Verlag) lauten:
IKE
Die Welt ist, wofür ich sie halte.
KALA
Es gibt keine Grenzen.
MAKIA
Energie folgt der Aufmerksamkeit.
MANAWA
Jetzt ist der Augenblick der Macht.
ALOHA
Lieben heißt, glücklich sein mit ...
MANA
Alle Macht kommt von innen.
PONO
Wirksamkeit ist das Maß der Wahrheit.
Ich segne die Gegenwart! Ich vertraue auf mich selbst und erwarte das Beste!
Sie können nun gerne Ihre Glaubenssätze und deren Wirkkraft bzw. Auswirkungen mit diesen vergleichen.
Wie wirkt dieser oder jener Gedanke? Das kann jede/r an sich sofort erforschen. Der Hausputz des Geistes - was gehört entsorgt bzw. gereinigt? - kann beginnen!
bewusst Sein entwickeln - im Labyrinth
Jede Aussage über "Bewusstsein" ist solange wertlos, wie "Bewusstsein"
nicht definiert ist. Eine einheitliche, allgemeingültige wissenschaftliche
Definition gibt es bis heute nicht.
In den Naturwissenschaften sind alle Begriffe objektiv und reproduzierbar zu
quantifizieren. Der Begriff "Bewusstsein" hat einen ausschließlich
subjektiven Charakter, da er allein nur von dem "Beobachter" / der
"Beobachterin" wahrgenommen und als existent bestätigt werden
kann.
Zwar hat die Quantentheorie die Ausschließbarkeit des Beobachters/der
Beobachterin in der Physik erschüttert. Daraus hat sich aber noch lange
keine Umkehr in der Forderung ergeben, auf die "Objektivierbarkeit"
in der Wissenschaft ganz oder auch nur teilweise zu verzichten.
Als Aspekte des Bewusstsein können nationales, politisches, globales,
Gesundheits- oder emotionales Bewusstsein genannt werden.
Ich definiere Bewusstsein mit das Wissen um das Sein.
Als das Ziel der Bewusstseinsentwicklung wird in vielen Religionen ein Bewusstseinszustand
mit Erleuchtung bezeichnet. Damit wird ein Zusammenhang hergestellt zwischen
Licht und Bewusstsein.
Offenbar gibt es Parallelen zwischen beiden. Das Licht selbst
ist unsichtbar wie das Bewusstsein (ich kann aber Licht beobachten, nachweisen
und messen). Wir (Quantenoptik) wissen weder, was Licht ist, noch kennen wir
den Ursprung des Lichts/des Bewusstseins - Licht ist eine Form der Energie ....
das Bewusstsein auch?
L/B berührt alle Aspekte des menschlichen Daseins. Wesen und Bedeutung
des L/B ist je nach Kultur verschieden. Forschungen gehen der Frage nach, ob
Licht nicht der Ursprung aller Materie ist. Licht ist äquivalent der Materie:
E = mc2.
L/B ist keine Substanz, ist keine Struktur (weder Masse noch Ladung - besitzt
jedoch Energie, Impuls und andere physikalische Eigenschaften, L/B ist ein Zustand.
Im Zusammenhang mit der Lichtgeschwindigkeit/Erleuchtung verlieren Raum und
Zeit an Bedeutung.
So wie es verschieden Arten des L gibt: Regenbogen / Blitz / Polarlicht /Kerzenlicht,
... gibt es verschiedene Arten des B: Wachbewusstsein, Trance, Schlaf,.....
Licht/B ist von ambiger Natur, d.h. mehrdeutig.
"Die Quantenrealität ist ein Ganzes, bis eine Messung vorgenommen
wird. Dann wird auf ungeklärte Weise, was bisher eins war, plötzlich
zwei." (Zajonc) Das interpretiert der Nobelpreisträger Eugene Wigner
so: "Der Einfluss der Geistestätigkeit ist die Ursache."
Was wir sehen/erleben, dem können wir aufgeschlossen begegnen, es aufmerksam und unvoreingenommen betrachten und wenn wir bereit sind, tiefverwurzelte Seh-(Denk-) Gewohnheiten über Bord zu werfen, werden wir Neues entdecken.
nicht
die Liebe
nehme ich
auf mich
die Liebe
sie lebt
in meinem Herzen
nicht
das Leben
nehme ich
auf mich
das Leben
lebt mich
und ich lebe es
Abwerfen
wie Bäume die Blätter
die sieben Häute der Illusion
das
nehme ich
auf mich
James Turrell, ein weltbekannter Lichtkünstler sagt über das Licht:
Licht ist weniger etwas, das offenbart, als vielmehr selbst die Offenbarung.
Es kommt darauf an, sich an das Licht zu halten, nicht an die Gegenstände,
die es erhellt. Licht ist scheinbar unbegreifbar und doch körperlich spürbar.
Wenn wir das Licht erforschen, erforschen wir uns selbst. Wenn wir das Labyrinth erforschen, erforschen wir uns selbst - und erhalten vielleicht ein neues Verständnis (des Geistes/des Menschseins/des Lebens). Bisher sind nur 5% der Materie einer direkten Beobachtung durch Licht zugänglich. Der Geist ist großteils unbewusst.
Der Weg des lebendigen Denkens, des Denkens, das dem Leben adäquat ist, ist kein geradliniger Weg -
es ist offen, was nach der nächsten Wendung kommt ... Das Bewusstsein - jede/r ist Teil von mir und ich bin Teil von ihm/ihr und der Schöpfungsenergie - verändert die Seins-Qualität radikal.
Selbstbewusstsein kann als das Wissen und die Erfahrung um das Licht, die Schöpfungskraft
bzw. die Liebe in mir definiert werden.
Es ist eine Entscheidung, die Sie treffen, wenn Sie sagen: Mein Lebensweg ist
ein irrgartenartiger bzw. mein Lebensweg ist ein spiraliger oder ein ganz anderer
oder eben ein labyrinthischer. Und jede Entscheidung hat ihre Konsequenz.
Ich erinnere mich gerne an jene Seminarteilnehmerin, die, nachdem sie sowohl
den Irrgarten als auch das Labyrinth auf einem Blatt Papier erfahren hatte,
sagte: Mein Leben ist wie ein Irrgarten. Aber eigentlich wünschte ich
mir, mein Leben sei ein Labyrinth! Ich will es bis heute Abend wissen, was mein
Leben ist! - Und am Ende des Kurses sagte sie: Ich habe mich entschieden:
Ich gehe die nächsten drei Monate davon aus, dass mein Leben ein Labyrinth
ist!
Jorge Luis Borges war sich dessen auch bewusst und formulierte es so:
Wenn wir wüssten, dass die Welt ein Labyrinth ist, dann wüssten
wir, dass es ein Zentrum gibt. Egal ob dort etwas Schreckliches wie der Minotaurus
oder etwas Göttliches wohnt. Aber es gäbe ein Zentrum. Wenn wir hingegen
annehmen, dass die Welt Chaos sei, dann wären wir wirklich verloren.
Wir Menschen denken in Bildern und Geschichten und geben diesen zu ihrer Information unsere Bedeutung in dem Wissen, wir können uns immer nur einer Wirklichkeit annähern. Unser Verständnis der Welt ist wandelbar .....
Die westliche Kultur- und Entwicklungsgeschichte führt aus dem
Paradies der Einheit in die Welt der Dualität,
Unserem westlichen Denken liegt die Dualität zugrunde. Wir
vergessen oft, dass wir einen Teil der Welt (z.B. das wissenschaftliche Denken)
für das Ganze nehmen. Dennoch ist sie nur ein Ausschnitt der Wirklichkeit.
Duales Denken und Erleben ist ein Kulturprodukt. Wahrheit umfasst mehr als die
dualistische Wahrnehmungsweise erfassen kann. Andere Kulturen haben andere Weltbilder.
in den Irrgarten : mit Entscheidungsanforderungen und Sackgassen. Der
Irrgarten ist somit das Symbol für Verführung par Excellence und des
(Ver)Zweifel(n)s.
Ab 1420 werden Irrgärten gezeichnet und angelegt. Es ist die Zeit, da sich die Menschen von der religiösen Gebundenheit emanzipieren. Die älteste bekannte Darstellung eines Irrgartens stammt aus dem Notizbuch des venezianischen Arztes Giovanni Fontana.
Der Irrgarten konfrontiert uns offenkundig mit den Fragen: rechts oder links?
Die Aufmerksamkeit ist ins Außen gerichtet. Was ist richtig? Was ist falsch?
Heinrich Jacoby: Das Falsche ist so lange das Richtige, bis es
von selbst als unzulänglich erfahren wird.
Welche innere Haltung nehme ich gegenüber Fehlermachen ein? Wie beurteile
bzw. verurteile ich? Was ist die Grundlage für meine Entscheidung? Gibt
es ein Zentrum? Wie komme ich ins Zentrum? Was, wenn ich mich verirre, verliere?
Etc. Die Frage: Wie soll ich leben? stellt sich nur in Bezug auf übergeordnete
innere oder äußere Autoritäten ...Antworten sind Konstruktionen
Die Labyrinth-Struktur wird von vielen mit dem Gehirn assoziiert, mit der Gebärmutter
und auch mit dem Lebensweg.
Das Labyrinth führt mich. Es gibt kein richtig und falsch. Ich
kann die Aufmerksamkeit nach Innen richten. Suchen erübrigt sich. Das Labyrinth
ist eine klare, eindeutige und determiniert Struktur, die durch seine Grenzen
einen (Um-)Weg vorgibt. Ich brauchen keine Entscheidungen treffen, nach rechts
oder links zu gehen - denn es gibt nur den einen und einzigen Weg. Mir bleibt
es überlassen, ob ich stehen bleibe, umdrehe oder weitergehe, wie schnell
und vor allem wie ich den Weg durchschreite, gehen, wandle.
Beim Gehen kann ich auch meine Befindlichkeit wahrnehmen. "Größere
Bewusstheit entsteht durch Gewahrwerden von Verhaltensqualitäten",
meinte Heinrich Jacoby. Im Labyrinth gibt es kein Vormachen, kein Korrigieren
- jede/r ist selbständig bzw. /"selbgängig".
Wenn ich mich ins Labyrinth begebe, bewege ich mich und etwas in mir kommt ebenso in Bewegung und es stellen sich mir unter Umständen Hindernisse in den Weg: vordergründig sind es vielleicht die Wendungen und/oder auch das eigene Konfliktmaterial (Unbewusstes, Abgewertetes, Übertragenes, Delegiertes,..), das sich zeigt.
Gefühle, Erinnerungen können in mein Bewusstsein steigen, ich kann in Kontakt mit Verdrängtem bzw. Unbewusstem kommen und damit ist Veränderung möglich. Angst schneidet von Gefühlen und Empfindungen ab - damit sie nicht wahrgenommen, gespürt werden müssen - damit Leiden nicht gelitten werden muss.Nicht ins Labyrinth zu gehen, bedeutet, im Moment nicht bereit sein, in Bewegung zu kommen, sich auf Neues einzulassen, eventuell der Angst zu begegnen.
Der Weg ist nicht geradlinig. Er macht vorbestimmte und doch unvorhergesehene
Wendungen. Er führt mich nahe ans Zentrum und dann wieder weg. Das erfordert
vielleicht Geduld, konfrontiert mit Ungeduld, Unsicherheit, Ausdauer, Vertrauen,
Flexibilität, Loslassen, Selbstvertrauen, , Zweifel, in Balance sein .....
Das Organ im Ohr für unser Gleichgewicht heißt nicht
zufällig Labyrinth (obwohl es von seiner Struktur her kein Labyrinth ist).
Das Labyrinth hat wie das Ohr etwas mit Balance zu tun.
Was bringt mich aus der Balance? Wie meistere ich Herausforderungen, löse
Disharmonien auf? Bin ich zuversichtlich und vertrauensvoll? Das Labyrinth birgt
Gegensätze (links, rechts, nahe, fern, im Zentrum, zentrumsfern...) in
sich und verbindet diese zu einer Einheit. Das Labyrinth fordert augenblickliches
Erleben, Einlassen in die Ungewissheit des Lebens, weil es keine Routine dafür
gibt. Und es ermöglicht auch, den Weg zu gehen, zu erfahren, zu reflektieren,
zu wiederholen.
Wie komme ich wieder in Balance? Mit welcher inneren Haltung mache ich mich
auf den Weg?
Ich erinnere mich an eine Frau, die kurz vor dem Zentrum stehen blieb, weil
sie sich im Zentrum wähnte, drehte sich dann um und ging zurück. Woran
ist das Zentrum zu spüren, zu erkennen? Warum vermied sie es?
Die Struktur des Labyrinths birgt in sich die Themen Grenze / Grenzüberschreitung
sowie Anpassung /Eigenwilligkeit. Wer hat das Bedürfnis quer über
alle Grenzen zu gehen- und tut es auch? Woher kommt der Impuls dazu? Welcher
Impuls hält zurück?
Welche Erwartungen, Vorstellungen habe ich? Weil ich die Vorstellung habe, ein
Labyrinth ist ein Irrgarten, verirre ich mich....
Im Labyrinth spiegle ich mich. Das Labyrinth ist ein Spiegel des Moments.
Im Spiegel sehe ich nicht nur alles 1:1 (wenn auch seitenverkehrt) - hinzu kommt: ich weiß einerseits, was mich erwartet, wenn ich mich im Spiegel anschaue, andererseits weiß ich nicht, auf welches Detail mein Blick fallen wird (selbst wenn ich es plane) - weiß nicht, was mir dadurch bewusst werden wird bzw. bewusst wird - wohin meine Aufmerksamkeit und damit meine Energie geht
Alles, was mir begegnet, ist mir ein Spiegel, zeigt, was auch in mir ist. Sobald
ein Gegenüber in mir heftige Gefühle (der Abwehr oder auch der Zuneigung,
der Aggression, der Unterwürfigkeit oder des Rückzugs,...) auslöst,
stellt sich mir ein Thema, das ich bearbeiten, ins Bewusstsein bringen kann,
um einen Schmerz zu erlösen, der noch unerlöst in mir schlummert oder
vergraben ist.
Frau Dr. Hannelore Eibach , eine Pionierin der therapeutischen Arbeit
mit dem Labyrinth, sieht die Qualität des Labyrinths darin, dass es
die KlientInnen zu sich bringt, in deren inneren Welten.
Und: das Labyrinth führt die KlientInnen auch zu den Ängsten und
Hoffnungen, die sie auf dem Labyrinth- bzw. Lebensweg begleiten.
Monica Monico hat die gleichen Erfahrungen gemacht und formuliert es
in ihrem Beitrag Labyrinth und Psychotherapie in: Frauen verlassen die Couch,
Hrg: E. Camenzind und Ulfa von den Steinen, Kreuz Verlag 1989 so:
"Was nach dem Eintreten folgt, im Labyrinth wie in der Therapie, gehorcht
dem Prinzip Umweg. Es geht darum, im Innenraum suchend umzugehen, etwas Verlorenes
zu finden, etwas Verborgenes zu erkennen, etwas Unbewusstes bewusst zu machen.
.... Vielfältig sind die Beweggründe, den Innenraum abzuschreiten,
nicht um mit dem Minotaurus konfrontiert zu werden, sondern wie es sich im Laufe
der Therapie herausstellt, um sich selbst zu begegnen."
Die Therapeutin Rose Strunk hat das Labyrinth in ihre gruppenpsychotherapeutische Arbeit einbezogen. Nach ihrer Erfahrung ist die Tatsache, im Labyrinth keine Wahlmöglichkeit des Weges zu haben und sich doch gleichzeitig auf einen unbekannten Weg einzulassen, für viele PatientInnen entlastend. Besonders deutlich erleben dies diejenigen, die unter starker Ambivalenz im Fühlen und Handeln leiden.
Jede der sieben Wendungen des Labyrinths sind bzw. können Metaphern sein für Prozesse auf dem Weg zum Erwachen, den integrierten Ebenen des Inneren, Äußeren und Spirituellen.
Ich weiß nicht im Voraus, was kommen wird.
Das Labyrinth führt, leitet zur Mitte - doch das weiß ich nur, wenn
ich es bereits einmal begangen habe. Über den langen Umweg komme ich ins
Zentrum. Wenn Innen das Außen spiegelt und umgekehrt, dann bin ich im
Labyrinthzentrum in meinem inneren Zentrum - das in Frieden und Liebe schwingt.
Ich erlange auf dem Weg ins Zentrum vielleicht Einsichten . Das heilende Element
kann dabei sein, Lebens-Weg-Erfahrung zu machen, das Zentrum zu erreichen, den
Weg zu verstehen und anzunehmen.
Das Labyrinth ist ein Erfahrungsraum für - um in der Dualität zu bleiben
- alltägliche und auch nicht alltägliche Erfahrungen.
Das Labyrinth
ist ein Universum
in das Sie sich einlassen
und das Sie auch wieder
verlassen
können
es zu durchwandeln
heißt eine Wirklichkeit erfahren
die weitere Wirklichkeiten in sich birgt
und alle Schichten, Gänge, Wandelwegabschnitte
lassen in die Tiefe
zum Urgrund
sinken
in dem wir wurzeln
Bewusst sein entwickeln
Wissen um das Sein
in allen Ebenen
hinauf bis zur Wasseroberfläche
vom Magma der Erde
zum Magma der Sonne
kein Weg ist nötig
beides ist eins
ortsunabhängig
zeitlos
ortabhängig
zeitbegrenzt
vom Anfang ins Zentrum
und zum Ausgang zurück
ein Menschenleben
ein Universumszyklus
ein Traum
Das Zentrum des Labyrinths und das Zentrum des Lebens ist das Sein. Gegenpole wie Raum und Zeit lösen sich hier auf; Verbundenheit mit allen und allem ist. Die Menschheitsfragen: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Wer bin ich? ... können sich selbst erfahrend beantworten.
Die Kunst zu wandeln liegt für mich darin, zu wandeln, sich auch wandeln zu lassen und die gleichzeitig stattfindende innere Wandlung bewusst wahrzunehmen. Die Wandlung von Leben und Tod und Leben und Tod und Leben .. Wandlung ist Leben und: Leben ist die Kunst zu wandeln
Labyrinthbegehungen können nicht nur alleine sondern auch mit anderen
gemeinsam gemacht werden.
Die Themen und Dynamik sind dann andere.Wenn ich das Labyrinth mit anderen Menschen
begehe, dann wird mir bewusst: wir bewegen uns alle auf der gleichen Ebene,
wir gehen alle den selben Weg, wenn auch auf unsere eigene Art und Weise. Damit
ist das Labyrinth antihierarchisch: Es gibt kein höher, schneller, besser,
stärker,... diese Bedeutungen sowie Raum und Zeit verlieren im Labyrinth
ihre Alltagsbedeutung. Es gibt keine VerliererInnen oder GewinnerInnen.
Ich begegne Menschen - manche gehen parallel zu mir, manche in die entgegengesetzte
Richtung. Mit manchen nehme ich Kontakt auf, manche Strecken bleibe ich für
mich. Ich kann erkennen: Ich bin Teil des Ganzen und alle sind wir gleichwertig,
jede/r kommt an die sieben Wendungen, ins Zentrum und wieder hinaus. Ich bin
Ich, löse mich nicht auf in der Masse und bin gleichzeitig ein Teil des
sozialen Miteinanders, ein/e AkteurIn im sozialen Gefüge.
Das Streben nach einer einzigen Wirklichkeit, nach Gewissheit, ist typisch nicht
nur für das vergangene Jahrhundert sondern gleichsam für die patriarchale
Weltsicht, die eine lineare ist und das abstrakt-logische Denken entwickelte.
Wirklichkeit ist ein Denkmuster, das Phänomene miteinander verbindet.
In diesem Sinne ist das Labyrinth auch eine gesellschaftspolitisch relevante
Struktur.
Aus Zeitgründen überlasse ich es Ihnen, dem selbst nachzugehen, was
ein labyrinthischer Denk- und Handlungsraum sein kann.
Zum Wissen vom Sein gehören für mich noch die Bereiche Intuition
und Spiritualität.
Intuition bedeutet nach der Definition im Duden : das Vermögen, Wissen
zu erlangen, das weder aus Schlussfolgerungen oder Beobachtungen, noch durch
Vernunft oder Erfahrung gewonnen werden kann. Die Intuition ist demnach als
eine eigenständige, unabhängige Wissensquelle angesehen, da sie genau
diese Art des Wissens vermittelt, die durch andere Quellen nicht zu erhalten
ist
Diese Qualität entwickelt sich im Labyrinth und kann besonders gut im Irrgarten
(dem Alltag?) überprüft werden.
Zur Verbindung der Gegenpole Irrgarten und Labyrinth kann ich hier nur damit andeuten.... und den labyrinthischen Quantensprung (siehe Artikel im Buch: Die Kunst zu wandeln, Haymon Verlag) nur erwähnen.
Für mich ist der Erfahrungsraum Labyrinth in der therapeutischen Arbeit eine oft überraschend einfache, gute wirksame Möglichkeit , den Lebensthemen und damit sich selbst und dem Selbst, das mit der Schöpferkraft verbunden ist, im wahrsten Sinn des Wortes, mit allen Sinnen im individuellen persönlichen Rhythmus, Tempo und der augenblicklich stimmigen Vertiefung eigenverantwortlich, selbstbestimmt und selbständig zu begegnen.
Und für mich ist der Erfahrungsraum Labyrinth auch eine Möglichkeit,
Bewusstsein - das Wissen vom Sein - und die Kunst zu wandeln zu entwickeln.
"Wir sind etwas, das wechselt und Etwas, das dauert. Wir sind etwas,
das im Wesentlichen rätselhaft ist. .....
Wenn die Zeit ein Abbild des Ewigen ist, so wird die Zukunft zur Bewegung der
Seele in Richtung auf das Zukünftige. Das Zukünftige seinerseits wäre
Rückkehr zum Ewigen."
L. Borges
Wir werden nicht aufhören zu erkunden,
Und das Ende all unserer Erkundungen
Wird die Ankunft an der Stelle sein,
Wo wir begannen,
Und wir werden sie zum erstenmal erkennen.
T. S. Eliot
Und meine Erfahrung ist: Wenn wir nicht nur im äußeren Zentrum sondern
auch in unserem inneren Universums-Zentrum angekommen sind, dann sind wir spätestens
dann am Ende des Weges mit der universellen Schöpferkraft verbunden. Der
labyrinthische Weg ist der Weg (zurück) zum Liebesursprung.
Danke für Ihre mitwandelnde Begleitung durch diesen Vortrag!
- Lied: Mantra, das für mich die labyrinthenergie
im zentrum musikalisch ausdrückt - das licht der unsterblichkeit
SAT SIRI
SIRI AKAAL
SIRI AKAAL MAHA AKALL
MAHA AKAAL
SAT NAM
AKAAL MURAT
WAHE GURU
sat=höchste, siri=wahrheit, akall=licht, maha=unvorstellbar
groß
sat nam= das göttliche ist die wahrheit, murat=unaussprechlich
wahe guru= erstaunen, verzücken, wau!
- Pause
- Rückmeldungen zur eigenen Labyrinth-Blatt-Erfahrung bzw. zum Vortrag
bzw. was sonst noch gesagt sein will
Fotos vom 3. Labyrinth-Kongress in Wetzlar sind auf erwin reissmanns website zu sehen
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